Endspurt

Das Semester neigt sich dem Ende zu, der Sommer steht – mehr oder weniger – in den Startlöchern und alle sind bereit für die großen Ferien. Ebenso wie in Deutschland fallen die längsten Schulferien auch hier auf die Sommermonate. Allerdings haben nicht nur die Schüler frei, auch der sonst so belebte Campus verfällt in eine Art Winterschlaf. Quasi jeder, der ein Sommerhaus besitzt, verbringt die Sommermonate auch in diesem, irgendwo auf einer Insel oder an der Küste. Im Umkehrschluss sind die Städte so leer wie zu keiner anderen Zeit des Jahres.

Während in Deutschland noch alle brav die Schulbank drücken, beziehungsweise sich mitten im Semester befinden, heißt es hier allerdings bereits erneut: Prüfungszeit.   

Bald ist es geschafft

Während ich von einigen Schweden gehört habe, dass diese bereits all ihre Prüfungsleistungen erbracht haben, um umso früher in den Sommer starten zu können, sieht das bei mir etwas anders aus. Zwar hätte ich mir auch gewünscht bereits jetzt mit Allem durch zu sein und die letzten Tage und Wochen ausschließlich mit Freizeitaktivitäten zu verbringen, aber das ist mir aus diversen Gründen leider nicht vergönnt. Nun ja, die letzte Deadline habe ich nächste Woche Mittwoch, daher stehen mir noch einige arbeitssame Tage bevor, aber das ist mit Ausblick auf die Zeit danach eindeutig zu verkraften! Außerdem kann ich mich wirklich nicht beklagen, denn selbst während der etwas stressigeren Prüfungszeiten hatten und haben allerlei Freizeitbeschäftigungen immer wieder meinen Alltag aufgelockert. Und da diese wie immer deutlich spannender sind als Geschichten über verschiedene Logiken oder tot geglaubte Medien, möchte ich euch damit auch nicht weiter belästigen.

Wie immer erlebt man in ein paar wenigen Tagen viel mehr, als man zunächst vielleicht glauben mag. Als ich erneut einen Blick in den Kalender und auf die Fotos geworfen habe, die seit meinem letzten Post entstanden sind, ist mir erst aufgefallen, wie lang die Themen-Liste wieder werden wird! Umso gespannter bin ich, wer von euch tatsächlich den langen Atem hat und sich brav Artikel für Artikel durch meinen Blog liest.    

Thank-You-Lunch & Language Café

Da ich in meinem letzten Beitrag bereits angekündigt hatte, dass nun einige letzte Male anstehen, wollte ich daran anknüpfen und euch von dem Thank-You-Lunch als Abschluss der Language Cafés berichten, welches für alle Koordinatoren des Sprachcafés ausgerichtet wurde. Wie ihr ja bereits wisst, war ich eine dieser Koordinatorinnen. Es hatte sich bereits zu Beginn schnell herumgesprochen, dass diese Abschlussveranstaltung das Highlight für uns Koordinatoren sein sollte, bei dem wir uns gemütlich zurücklehnen, gemeinsam speisen und uns austauschen können, sowie zu guter Letzt ein Zertifikat über unser Ehrenamt überreicht bekommen. Obwohl so hoch angepriesen, hatte ich eher ein lockeres Zusammensitzen, Zimtschnecken und belegte Brötchen erwartet. Was uns erwartet hat, hat meine Erwartungen jedoch um Weiten übertroffen: Gedeckte und in weiße Hussen gepackte Tische, ein reichhaltiges Buffet, Cider zum Anstoßen und Popcorn, um während der spannenden Zertifikatsverleihung etwas snacken zu können. Nachdem jeder Applaus und Urkunde erhalten hat, wurde das Buffet endlich eröffnet – zunächst bestehend aus diversen Salaten, Pajs, Brot und Käseplatte, zu späterer Stunde abgelöst von Apfel-Crumble, Eiscreme und Obst. Leider habe ich kein Foto von dem Buffet gemacht. Da müsst ihr mir wohl einfach glauben. All das hat den Abschied vom Sprachcafé allerdings in keiner Weise leichter gestaltet. Mir wird diese Zeit auf jedem Fall in guter Erinnerung bleiben, jedoch insbesondere wegen der interessanten Persönlichkeiten, die man dort immer wieder angetroffen hat.

Deutscher Spargel

Apropos Essen (welches ja wohlbekannt mein Leben bestimmt): Bezahlbarer, weißer Spargel hat in den schwedischen Supermarktregalen lange Zeit auf sich warten lassen. Daher habe ich zunächst mit der grünen Variante verlieb genommen. Zwar kann man diese – wie ich jetzt herausgefunden haben – auch gar schmackhaft zubereiten, aber an weißen Spargel kommt dieser dennoch nicht im Entferntesten heran. Letzte Woche habe ich dann allerdings zum ersten Mal das weiße Gold, importiert aus Deutschland und – das ist das Wichtigste – zu einem bezahlbaren Preis im Laden erblickt. Um dieses Heimatgefühl, das weißer Spargel in mir auslöst, mit meinen internationalen Freunden zu teilen, habe ich diesen direkt zu unserem traditionellen Sonntagsdinner serviert – Yummie! Denn nicht nur Liebe, sondern auch Freundschaft und kultureller Austausch geht durch den Magen.

Der Eurovision-Songcontest (ESC)

Was bietet sich im internationalen Umfeld besser an, als gemeinsam den ESC zu verfolgen? Richtig, nicht viel. Obwohl ich in Deutschland wie immer keine allzu großen Hoffnungen gesetzt hatte, habe ich zusammen mit Freunden – überwiegend Deutschen – das Spektakel verfolgt. Obwohl die Internetverbindung nicht gerade die zuverlässigste war und Teile der Show in lauten Gesprächen untergegangen sind, blieb nicht viel zur Verteidigung der Leistung Deutschlands übrig. An erster Stelle steht jedoch wie immer der Spaß und der ist bei einer Viewing-Party eindeutig eher garantiert als zuhause vor dem eigenen Laptop. Trotz der Niederlage Deutschlands war es schön, die Freude mit dem Sieger teil zu können, beziehungsweise von vornherein viel unparteiisch zu sein und mit mehreren Nationalitäten mitzufiebern.

Bowling mit SUS

Während sich mein ‚Ehrgeiz‘ oder Nationalstolz bei überdimensionierten (Sport-)Veranstaltungen oder solchen wie dem ESC eher in Grenzen hält, wird mein Ehrgeiz viel eher geweckt, wenn ich selbst Einfluss auf den Erfolg haben – so auch beim Bowling. Zwar geht es beim Spielen immer primär um den Spaß, aber wie wir alle wissen ist dieser in gewisser Weise nicht ganz unabhängig vom Erfolg.

Bereits in vorherigen Beiträgen habe ich die Students Union und ihre vielfältigen Angebote gelobt. Neben einem monatlich angebotenen, kostenlosen Frühstück, Tanzkursen, Wanderungen und vieles mehr wurde in den letzten Wochen auch eine Game-Night zum Studentenpreis angeboten. In einer Sportbar, in der Sport jedoch nicht nur auf dem Bildschirm läuft, sondern auch aktiv praktiziert werden kann, laden Bowling, Minigolf und Co zum Verweilen ein. Dass Stockholm generell ein teures Pflaster ist und man sich kostspielige Freizeitaktivitäten gerne verkneift, muss ich an dieser Stelle glaub nicht nochmal erwähnen. Als Mitglied der Students Union kann man hier allerdings für 39 Kronen (ca. 3,70 Euro) ein alkoholisches Getränk inklusive einer Runde Bowling oder Minigolf ergattern. Selbst Abendessen wird zu einem sehr fairen Preis von 99 SEK angeboten. Was ich damit sagen will: Sobald es der Stundenplan zulässt, gibt es keinen Grund, die Montage nicht in diesem Spieleparadies ausklingen zu lassen. Tatsächlich ist das eine der wenigen Fälle, in denen sich der Spies zwischen Deutschland und Schweden preistechnisch herumdreht. Ich kann mich nicht konkret daran erinnern, wann ich in der Heimat das letzte Mal Bowling spielen war. Woran ich mich allerdings erinnern kann: Bowling ist ein etwas teureres Vergnügen.

Während ich ursprünglich davon ausging, dass dieses Angebot bereits vorherige Woche zum letzten Mal angeboten wurde, dürfen wir tatsächlich nächsten Montag erneut die Bälle rollen lassen und das eigentlich letzte Mal noch einmal erleben, Juhuuuu!

Besuch der Königlichen Oper – Dracula

Ebenfalls zu einem echt fairen Preis kann man hier als Student in die Oper gehen. Unter anderem aus diesem Grund stand ein Opernbesuch auch ganz weit oben auf meiner To-Do-Liste. Dennoch, wie so oft nehme ich mir Dinge vor, an deren Umsetzungen es dann schlussendlich doch hapert, meistens aus Zeitgründen. Umso besser hat es sich jedoch getroffen, dass eine liebe Freundin die Sache mit der Organisation in die Hand genommen hat und ich einfach nur mitgehen musste. Mittwochabend durften wir dann der Oper Dracula folgen, aus luftiger Höhe und mit schwedischen Untertiteln. Gerade das mit der Fremdsprache mag sich erst einmal abschreckend abhören, aber zu meinem eigenen Verblüffen habe ich viel mehr verstanden als erwartet.

Während mein letzter Opernbesuch vermutlich zu Schulzeiten stattgefunden hat und daher nicht von großem Interesse für mich war, hat mich dieser hier hundertprozentig überzeugt! Die Sänger haben nicht nur mit tollen Stimmen überzeugt, auch das schauspielerische Talent dieser war sehr eindrucksvoll. Auf der Bühne war immer etwas los: Vampire haben in schwindelerregender Höhe getanzt und sich von der Decke abgeseilt, Dracula selbst hat sich grade wie ein Brett aus seinem Sarg erhoben und Vampirjäger haben für ordentlich Aufruhr gesorgt. Da bekommt man direkt Lust sich die nächste Oper – oder ähnliche künstlerische Darbietungsformen – anzugucken.  

End of the Semester Ball

Nicht nur die fiktiven Geschöpfe der Nacht durften ihr Unwesen treiben. Auch die Studenten wurden vergangene Woche ein letztes Mal zum großen durch-die-Nacht-Tanzen aufgerufen. Die Bezeichnung Ball hat sich für mich zunächst nach einer festlichen, wenn auch mit Spaß verbunden Angelegenheit angehört und auch die Veranstalter haben immer wieder darauf hingewiesen, dass der Dresscode schick ist. Am Veranstaltungsort angekommen hat jedoch nicht mehr viel an das Motto „Ball“ erinnert. Neben Studenten haben sich dort auch einige Schüler hin verirrt, viele der Schüler und Studenten in billigen Party- statt eleganten Ball-Outfits. Damit erschienen unsere doch eher bedachte Kleiderwahl und das aufwendigere Make-up als überflüssig. Nichtsdestotrotz war die Musik ganz gut und wir hatten unseren Spaß. Denn egal wie eine Veranstaltung offiziell heißen mag, primär kommt es auf die Menschen an, mit denen man sich dort umgibt und feiert!   

Eine Herausforderung dieses Abends war für mich jedoch das späte zu Bett gehen. Zwar verbringe ich zurzeit viele Abende (und Nächte) am Schreibtisch, die Dämmerung erlebe ich jedoch meistens noch aktiv mit. Wenn man allerdings erst in den frühen Morgenstunden zu Bett geht, begrüßt einen die Sonne mit fordernden, energiegeladenen Sonnenstrahlen und auch die Vögelchen singen bereits den Tag herbei.

Weiße Nächte

Zwar hatte ich ausreichend Zeit mich peu à peu an die kürzer werdenden Nächte zu gewöhnen und dennoch stellen mich die nicht enden wollenden Tage hin und wieder vor eine Herausforderung. Gehe ich abends aus Vernunft zu Bett und nicht, weil ich müde bin, ist an Schlaf meist nicht zu denken. Dunkelheit macht bekanntlich müde, Helligkeit jedoch eher weniger. Teilweise liege ich nachts auch einfach wach wegen der Faszination, die die nächtliche Dämmerung auf mich hat. Immer wieder will ich die Augen öffnen um zu sehen, ob die Dämmerung noch da ist, oder ob das zarte Hellblau der Abenddämmerung bereits in hellweiße Morgendämmerung umgeschlagen hat.

Damit möchte ich mich gar nicht über zu wenig Schlaf beschweren. Das stört mich überhaupt nicht, denn die Sonne schenkt zumindest mir hier ausreichend Energie, um die langen Tage zu überstehen. Viel mehr möchte ich diese Faszination mit euch teilen, die wochenlange Tage auf mich haben.

Vielleicht inspiriert euch mein Blog ja auch ein wenig und ihr träumt nun selber davon, Schweden zu bereisen.

Den heutigen Beitrag möchte ich mit einem Stück Kuchen und Chai Latte schließen. Vielleicht löst so eine schwedischen Fika bei euch ja nochmal mehr Inspiration und Schweden-Euphorie aus!

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