Kulturschock?!

Der Großteil meiner Freunde ist bereits abgereist und zurück in der Heimat. Die weiteste Distanz liegt nun wohl zwischen mir und meiner neuseeländischen Freundin Lucy. Neuseeland ist wohl im wahrsten Sinne des Wortes das andere Ende der Welt – von Europa aus betrachtet. Dass Abschiede schwerfallen und ich – wie vermutlich jeder – diese nicht mag, muss ich an dieser Stelle sicher nicht erwähnen. Ich denke, jeder kann sich vorstellen wie es sich anfühlt, Leute zu verlassen, die man nie wieder in diesem Umfeld, geschweige denn alle an einem Ort versammelt antreffen wird. Neben den Menschen, die mir fehlen werden sind mir allerdings noch ein paar andere Dinge eingefallen, die ich vermissen werde. Fünf Monate in einem anderen Land gehen wohl doch nicht spurlos an einem vorbei. Ob ich in Deutschland daher einen kleinen Kulturschock erleiden werden? Wir werden sehen!

Schwedische Fika

Auch wenn sich die schwedische Esskultur nicht als Besonders erwiesen hat und diese sich viel mehr anderer Kulturen bedient, bleibt ein kleiner Teil einzigartig: die schwedische Fika. Ich weiß, dass es meiner Figur und insbesondere meinem gestiegenem Zuckerkonsum gut tun wird, nicht in aller Regelmäßigkeit Kanelbullar, Chokladbollar oder Morotskaka zu essen, aber ich werde die Tradition des nachmittäglichen Zusammensitzens vermissen. Denn eine Fika ist weit mehr als nur der schelle Genuss eines Heißgetränks und Gebäcks.   

Und für alle, die (immer noch) nicht wissen, was eine Fika ist: Guckt euch dieses Musikvideo an! Es erklärt sehr schön, was ich meine. Außerdem ist es sehr unterhaltsam:

Getrennte Toiletten

Ich glaube, über dieses Phänomen hatte ich zuvor noch gar nicht berichtet, aber in Schweden gibt es überwiegend Unisex-Toiletten. Eine Trennung von Männlein und Weiblein, wie wir sie aus Deutschland kennen, gibt es hier nicht. Am Anfang war das für mich sehr überraschend, denn ich hatte davon keine Ahnung, bis auf einmal ein Mann neben mit am Waschbecken stand und seine Hände wusch. Das war allerdings bereits an meinem ersten Tag in Stockholm. Daher hatte ich knappe fünf Monate Zeit, mir die Suche nach der Damentoilette abzugewöhnen. Andererseits hoffe ich jetzt, dass ich nicht gedankenverloren in Deutschland auf irgendwelche Männertoiletten renne und von allen Seiten schief angeguckt werde!

Weiße Nächte

Als ich im Januar in Schweden angekommen bin, war ich müde. Müde und hurgrig. Mein Körper war an die deutschen Tageszeiten gewöhnt und darauf trainiert, zu Einbruch der Dunkelheit Hunger zu bekommen und ein paar Stunden später zu Bett zu gehen. Da die Sonne im Januar bereits um hab 4 unterging, haben sich auch mein Hungergefühl und Bedürfnis nach Schlaf erst einmal an die neuen Zeiten gewöhnen müssen. Nun, da die Sonne gegen halb 3 aufgeht und erste nach 10 untergeht, hat sich mein Tagesrhythmus wieder entsprechend angepasst. Ich bange etwas darum, dass mich nun die erneut kürzeren Tage zunächst müde und hungrig machen bezeihungsweise mir das viele Sonnenlicht fehlt, dass immer für eine volle Batterie bei mir sorgt. Darüber hinaus werde ich aber auch die unheimlich lange Dämmerung vermissen, die die Nacht davon abhält, ihren schwarzen Schleier über die Welt zu werfen.

„Du“ oder „Sie“?

Eine der wenigen Sachen, auf die ich gänzlich verzichten könnte, ist die immer wiederkehrende Frage nach dem Du und dem Sie im Deutschen. Wie soll man jemanden auf der Straße am besten ansprechen, ohne ihm oder ihr womöglich zu nahezutreten?! Das Resultat ist eine Abwägung von Auftreten, geschätztem Alter und der Frage danach, ob es sich wohl um seinesgleichen handelt. Im Englischen gibt es dagegen nur eine Form der Anrede: You. Da wird nicht lange überlegt, wie man jemanden anspricht, denn es ist keine Wahl notwendig. Selbst die Dozenten werden hier mit Vorname angesprochen – zu einem Respektverlust (oder was auch immer bei der Ansprache mit Du befürchtet wird) führt das sicher nicht. Im Schwedischen verhält es sich ähnlich. Es gibt zwar eine offizielle zum Sie äquivalente Form, allerdings ist diese der Königsfamilie vorbehalten. Da zumindest ich keinen Kontakt mit dieser hatte, hatte ich auch für diese keinen Gebrauch. Folglich habe ich nun fünf Monate lang jeden geduzt, der mir über den Weg gelaufen ist. Egal ob jung oder alt, unabhängig von sonstigen äußeren Merkmalen etc.

Plastikgeld

Am Anfang dachte ich, ich würde es verfluchen. Vor allem die negativen Seiten wie totale Transparenz, verbunden mit der ausschließlichen Benutzung von Plastikgeld, sind und bleiben in gewisser Weise abschreckend für mich. Auch braucht es Disziplin, um sich nicht von Angeboten verlocken zu lassen und immer und überall die Karte zu zücken, während es einem schwerer fallen würde, mit einem Geldschein aus dem Portemonnaie zu bezahlen. So laden Kredit- und EC-Karte in gewisser Weise dazu ein, den Überblick über die Ausgaben zu verlieren, behält man diese nicht strengstens im Blick. Dennoch habe ich mich so schnell daran gewöhnt, mit kleinem Geldbeutel aus dem Haus zu gehen und nichts außer EC-Karte, Ausweis und Fahrschein mitzuführen, dass es mit in Deutschland sicher schwerfallen wird, mich erst wieder umzugewöhnen.   

Familienbesuch

Wie ich bereits beim letzten Mal hab anklingen lassen, ist aktuell ein Teil meiner Familie zu besuch. Bereits übermorgen werden wir alle zusammen wieder zurück nach Deutschland fahren. Für heute soll es jedoch bei diesem etwas kürzeren Beitrag bleiben. Ein Beitrag mit Berichten von der letzten Woche folgt dann später, denn diese ist noch nicht ganz zu Ende.

Trotz der Dinge, die bei mir womöglich zu einem kurzen und kleinen Kulturschock führen werden, freue ich mich bereits sehr darauf, wieder nach Hause zu kommen und Freunde und Familie wieder zu sehen 😊.

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